Die letzten Jahre waren geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit, sich verändernden Marktdynamiken und anhaltender hoher Inflation. Es ist selten, eine Anlage zu finden, die Stabilität und Diversifizierung in sich vereint und gleichzeitig auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Angesichts der nach wie vor niedrigen Zinsen und der begrenzten Renditen traditioneller Sparkonten werden ETFs als effektivere Möglichkeit zur Erhaltung und Vermehrung des eigenen Vermögens beworben. Was macht sie so attraktiv? Niedrige Gebühren, breite Marktstreuung und die Flexibilität, in alles zu investieren, von globalen Technologieriesen bis hin zu boomenden Sektoren wie KI, saubere Energie und sogar Edelmetalle.
Der ETF-Markt selbst entwickelt sich rasant. Während ETFs weithin gelobt werden, warnen Kritiker, dass sie keine Einheitslösung sind. Zu den wichtigsten Bedenken gehört, dass die Marktvolatilität auch nach wie vor Auswirkungen auf ETFs hat und dass systemische Risiken nicht augeschlossen werden können. Außerdem kann es zu einer Überkonzentration in beliebten Sektoren kommen, was ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt. All diese Bedenken sind berechtigt.
Ich beschäftige mich mit ETFs, seit ich im Finanzsektor arbeite. Ich war ein Börsen-Neuling und habe versucht zu verstehen, warum es einen Hype um ETFs gibt. Vor allem meine Recherchen haben mir die Angst vor Marktvolatilität und dem Verlust meiner Ersparnisse genommen und mir geholfen, Marktturbulenzen ohne Angst durchzustehen. Die wichtigsten Erkenntnisse möchte ich in den folgenden Abschnitten teilen:
- Ich möchte eine langfristige Perspektive auf den Kapitalmarkt vorstellen, indem ich den Dow Jones betrachte.
- Anschließend werde ich die Ergebnisse auf ETF-Anlagen anwenden.
- Zuletzt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Dow Jones
Geschichte des Dow Jones
Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) – oft einfach nur „der Dow” genannt – ist einer der bekanntesten Indikatoren für die Entwicklung des Aktienmarktes in den Vereinigten Staaten. Man kann ihn sich wie eine Anzeigetafel für die Wirtschaft vorstellen. Er verfolgt die Aktienkurse von 30 großen Unternehmen, die in Branchen wie Technologie, Finanzen, Gesundheitswesen und Konsumgüter führend sind. Da er nur 30 Unternehmen umfasst, repräsentiert er nicht den gesamten Aktienmarkt und ihn kann auch nicht vollständigen erklären. Ein Vorteil des Dow Jones ist jedoch, dass er die Marktentwicklung lange - und zwar seit 1896 - verfolgt und uns somit einen guten Einblick in die Geschichte gibt.
Geschichte bei der Betrachtung der Performance des Dow Jones
Wie wir sehen können, lassen sich hier einige sehr wichtige Marktereignisse erkennen. Zu nennen sind:
- die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929
- die Ölkrise in den 1970er Jahren
- das Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er Jahre
- die Finanzkrise im Jahr 2007
- der Beginn der COVID19-Pandemie im Jahr 2020
Risikobewusstsein
Wir können nun einen genaueren Einblick darin gewinnen, wie sich diese Krisen auf den Aktienmarkt ausgewirkt haben, indem wir den maximalen Werteverlust gegenüber dem Allzeithoch betrachten.
Maximaler Rückgang gegenüber dem Allzeithoch des Dow Jones
Wir sehen, dass die schwerwiegendsten Auswirkungen auf den Finanzmarkt durch die Weltwirtschaftskrise in 1929 und der Beginn des Zweiten Weltkriegs verursacht wurden, der zu einem Einbruch des Marktes um fast 90 % führte. Es dauert 25 Jahre, bis dieser Verlust wieder ausgeglichen werden konnte. Alle anderen folgenden Krisen hatten „nur” Auswirkungen von bis zu 50 %. Am schwerwiegendsten war die Finanzkrise mit 48 %. Die Corona-Pandemie und das Platzen der Dotcom-Blase waren mit einem Rückgang von bis zu 30 % vergleichsweise gering. Dennoch erholte sich der Markt immer wieder. Dies wird besonders deutlich, wenn wir uns die rollierenden Jahreserträge nach 10 Jahren Investition ansehen.
Langfristig ist die Entwicklung positiv
Rollierender Rendite nach 10 Jahren Investition in den Dow Jones
Diese Grafik zeigt für jedes Datum der letzten 100 Jahre, wie hoch Dein Jahresumsatz gewesen wäre, wenn Du an diesem Tag investiert und die Anlage 10 Jahre lang gehalten hättest. Wir sehen, dass Du bei einer Investition im Jahr 1929 in den folgenden 10 Jahren einen jährlichen Verlust von rund 10 % p. a. gehabt hättest. Das Gleiche gilt, wenn Du kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase an der Börse spekuliert hättest: Du hättest in den folgenden 10 Jahren keinen Gewinn erzielt.
Andererseits gab es in den letzten 100 Jahren nur insgesamt etwa 15 Jahre, in denen man keine Gewinne erzielt hätte. In den übrigen mehr als 85 Jahren hätten man jedes Jahr Gewinne von bis zu 15 % erzielt.
Eine Anlagestrategie ableiten
Wir können dieses Wissen nutzen, um eine gute Strategie für Investitionen an der Börse zu entwickeln. Denn es hat sich herausgestellt, dass wir mit Investitionen in ein diversifiziertes Portfolio von Unternehmen langfristig Gewinne erzielen können, ohne dabei einem allzu hohen Risiko ausgesetzt zu sein. Der Dow Jones war nur ein Beispiel, da er schon sehr alt ist. Wie bereits erwähnt, ist er kein gutes Anlageportfolio, da er nur 30 Unternehmen umfasst, die alle ihren Sitz in den USA haben. Wir brauchen etwas Diversifizierteres.
Der Weltindex
Die Performance des MSCI World Index
Hier kann uns der MSCI World helfen. Der MSCI World Index ist wie eine globale Momentaufnahme des Aktienmarktes. Er bildet die Performance von über 1.600 großen und mittelständischen Unternehmen in 23 Industrieländern ab, darunter die USA, Japan, Deutschland, Großbritannien und Australien. Er ist eines der beliebtesten Instrumente, um die Entwicklung der Weltwirtschaft zu verstehen. Anleger nutzen ihn zur Diversifizierung, d. h. man verteile das Geld auf viele Länder und Branchen, um das Risiko zu verringern. Er ist das Rückgrat vieler ETFs (Exchange-Traded Funds), mit denen normale Bürger gleichzeitig in Hunderte von Unternehmen investieren können. Wir können also einen solchen ETF nutzen, um ein globales, diversifiziertes Portfolio aufzubauen.
Risikobewusstsein
Maximaler Drawdown des Allzeithochs des MSCI World Index
Ähnlich wie beim Dow Jones sehen wir, dass der MSCI World Index ähnliche Drawdown-Raten aufweist. Allerdings können bestimmte Marktbereiche stärker betroffen sein als die USA, was zu kurzfristig höheren Verlusten und damit zu einer höheren Volatilität führen kann. Die Finanzkrisen, die bislang größten Auswirkungen auf den MSCI World Index hatten, verursachten einen Drawdown von fast 60 %. Auch das Platzen der Dotcom-Blase führte zu einem Rückgang des Index um etwa 50 %.
Langfristig ist die Entwicklung positiv
Um Aussagen über langfristige Investments machen zu können, schauen wir uns einmal die rollierende Rendite über 5 Jahre an.
Rollierender Rendite nach 5 Jahren Investition in den MSCI World Index
Wenn man sicht also berechnet, wie hoch der Jahresertrag gewesen wäre, wenn man an einem beliebigen Tag investiert und die Anlage 10 Jahre lang gehalten hätte, sehen wir, dass es nur einen einzigen ungünstigen Zeitpunkt für den Einstieg in den MSCI World gegeben hat - nämlich unmittelbar vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Wenn man also dem Hype zu diesem Zeitpunkt unterlegen wäre und investiert hätte, gäbe es selbst nach 10 Jahren keinen Gewinn, sondern nur Verlust.
Rollierender Rendite nach 10 Jahren Investition in den MSCI World Index
In allen anderen Fällen hätte eine Investition in den MSCI World und ein Halten der Anlage über 10 Jahre einen jährlichen Ertrag von bis zu 16% p.a. eingebracht. Im Durchschnitt aller Zeiträume hätte man jedes Jahr 7% erzielt.
Rollierender Rendite nach 20 Jahren Investition in den MSCI World Index
Schauen wir uns einmal an, wie sich die Situation verändert, wenn man den Vermögenswert statt 10 Jahre lang 20 Jahre lang hält. Wir sehen, dass man selbst wenn man kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase investiert hätte, immer noch 1% Ertrag pro Jahr erhalten hätte. Und im Durchschnitt wären fast 7% auf das Konto geflossen, wenn man zu einem beliebigen Zeitpunkt investiert und den Vermögenswert 20 Jahre lang gehalten hätte.
Fazit
Grundsätzlich lässt sich anhand der Daten sagen, dass eine Investition in ein diversifiziertes Portfolio eine gute Rendite bei moderatem Risiko bietet. Es ist wichtig, sich nicht von Markteinbrüchen verunsichern zu lassen, sondern die Vermögenswerte zu halten und abzuwarten. Langfristig werden sie positive Erträge bringen.
Es ist auch sinnvoll, sich nicht nur auf die Finanzmärkte der Industrieländer zu konzentrieren, sondern auch auf andere Märkte wie die Emerging- oder Frontiermärkte. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man die Forschung zu Konvergenztheorien berücksichtigt, z. B. im Rahmen des Solow-Swan-Modells, bei dem davon ausgegangen wird, dass Schwellenländer tendenziell eine höhere Wachstumsrate aufweisen. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich dieses Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, langfristig auch auf dem Finanzmarkt widerspiegeln sollte.
⚠️ Achtung
Dies ist keine Anlageberatung.
Letztendlich müssen wir all diese Erkenntnisse in ein Finanzprodukt einfließen lassen und mit dem Investieren beginnen. Ich persönlich empfehle und nutze gerne den Vanguard FTSE All-World ETF, da er eine genossenschaftliche Rechtsform hat und auf einfache Weise alle zuvor in diesem Beitrag genannten Aspekte abdeckt. Es ist jedoch jedes andere ETF-Finanzprodukt geeignet, das denselben Grundsätzen folgt.
